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WO DIE SCHÖNEN TROMPETEN BLASEN

Installatives Musiktheaterprojekt | Mai 2019 | in Kooperation mit Werkstattmacher e.V. | LOFFT-Theater | Leipzig

Von: Laura Immler, Hannes Köpke, Jasmina Rezig, Olivia Rosendorfer, Konstantin Sieghart, Julius Zimmermann | Werkstattmacherinnen: Jemina Colett, Laila Grümpel

[…]Plötzlich geht die Tür des Fahrstuhls Richtung Foyer auf. Zwei Männer sitzen darin […] Gemeinsam singen sie ein deutsches Lied: „Abendlich schon rauscht der Wald“ […]Der eine stickt etwas auf den Rücken des anderen. Nadelstiche und Faden überziehen die nackte Haut mit einem Muster. Dabei ist die Grausamkeit nicht plakativ, sondern liegt in der Beiläufigkeit des Geschehens. Das verunsicherte Publikum ertastet sich nun seinen Spielraum. Fährt mit den Singenden im Fahrstuhl, erobert das Treppenhaus, als von draußen eine Trompete erklingt. Dieselbe Melodie wie im Fahrstuhl, gespielt von einer Performerin auf dem verwilderten Grundstück nebenan. Von einem Gesangstrio erklingt sie weiter unten im Treppenaufgang. „Schauernd hört der Wanderer zu, sehnt sich tief nach Hause“ […] Das passt zum umherirrenden Publikum, das der Melodie beinahe sehnsuchtsvoll von Ort zu Ort folgt – um durch ihr abruptes Abbrechen weiter an den nächsten getrieben zu werden, so dass es nie einen Ruhepunkt gibt. Auch nicht am LED-Feuer, für das einzelne Gruppen für wenige Minuten in den Saal gelassen werden. Die Performance will das Landleben und damit verbundene romantische Vorstellungen als Illusion enttarnen. Von Stadtmenschen heraufbeschworen während der Industrialisierung […] Viel interessanter jedoch ist, wie sich das abstrakte Konstrukt in Gefühlen verdichtet […]: Verunsicherung, Ver(w)irrung, die Enttäuschung darüber, dass „Ankommen“ eine Illusion ist. […]  

(Leipziger Volkszeitung)